Kriegsenkel-Akademie

 

Eine Akademie ist ein Ort der Weitergabe von Wissen, individuellem Erfahren und gemeinschaftlichem Lernen.

 

Die Kriegsenkel-Akademie schafft Orte und geschützte Räume für die Begegnung der zwischen 1955 und 1975 Geborenen. Dabei entsteht heilsamer Austausch von Lebensgeschichten und den damit verbundenen Höhen und Tiefen.

 

Für Kriegsenkel entsteht so Entlastung. Zu sehen, dass andere auch mit Gefühlen von tiefer Scham, zähem Groll, nebligem Unwohlsein und scheinbar unauflöslicher Schuld leben und gleichzeitig lebenspraktische Kompetenzen entwickelt und ungewöhnliche Lebensentwürfe kreiert haben, dieses Teilen von persönlichen Geschichten erschafft Erleichterung und setzt blockierte Lebensenergie frei.

 

Die Vermittlung des Wissens um die Zusammenhänge zwischen der unverarbeiteten Traumatisierung der kriegskindlichen Elterngeneration im zweiten Weltkrieg und der unbewusste Weitergabe von lebensbelastenden Routinen, bleiernem Schweigen, familiären Konflikten und gesellschaftlichen Tabus steht im Mittelpunkt der Arbeit.

 

Eine differenzierte Betrachtung der Biographien von Kriegsenkeln in Ost und West soll dabei die Auseinandersetzung mit aktuellen Entwicklungen erleichtern und mehr Frieden im Einzelnen, in Familien, Firmen und der Welt wirksam werden lassen.

 

Für den Einzelnen geht es darum, seine Lebensgeschichte in Würde anzunehmen. Echt sein, Flagge zeigen die Masken ablegen. Volle Verantwortung für eigene Gestaltungsräume übernehmen. Den Mut fassen, sich schmerzvollen Erkenntnissen zu stellen. Die Trauer zulassen, es eben nicht und nie so „hinzukriegen“ wie gedacht. Denn Gedanken sind zu tief geformt und beeinflusst von den Gedanken der Eltern, die Kriegsenkel aus Instinkt zu ihren eigenen Gedanken gemacht haben. Schmerz ist der Wächter am Tor zur Freude, das ist eine alte Lebensweisheit. Dieser Prozess löst alte Blockaden und erschafft ein Gefühl für eigene, ganz individuelle Ziele und Wünsche. So wird echte Freiheit spürbar und es wächst das unerschütterliche Vertrauen in die eigene Kraft.

 

In Familien entsteht große Entlastung, das vermeintlich unaussprechlich Belastende behutsam ins Wort zu bringen. Oft trauen sich Kriegsenkel um des lieben Friedens willen nicht, eigene Bedürfnisse klar zu formulieren und sich gegenüber der Elterngeneration sauber abzugrenzen. Doch der liebe Frieden ist oft ein brüchiger Burgfrieden, der weite Räume an Niemandsland zwischen den Festungen brach und unbewohnt liegen lässt. Die ganze Landschaft befrieden, damit überall etwas Schönes wachsen kann, diesen Prozess können Kriegsenkel in Gang setzen.

 

In Firmen findet im Arbeitsalltag unbewusst durch jeden Mitarbeiter eine Re-Inszenierung familiärer Beziehungs- und Konfliktmuster statt. So verpufft oft wertvolle Gestaltungskraft in endlosen Meetings, die zur Bühne für individuelle Inszenierungen im Kampf um Anerkennung und Bedeutung werden. Konflikte im Job binden Energie im Einzelnen, der innerlich kündigt und Dienst nach Vorschrift macht. Teams liefern Ergebnisse, die unter ihren Möglichkeiten bleiben und Firmen verlieren Kunden und Aufträge.

 

Echte Kooperation gehört zur psychischen Grundausstattung eines Menschen seit zehntausenden von Jahren. Es ist mit einfachen Werkzeugen möglich, diese Fähigkeit zu re-kultivieren und fair konkurrierend jedem Einzelnen den Raum zu eröffnen, sein Bestes gern und stetig zu geben. Mit voller Identifikation für die Firma bei vollem Bewusstsein für den eigenen Beitrag zum Ganzen.

 

Auf gesellschaftlicher Ebene bewirkt neues Wissen im Umgang mit dem seelischen Erbe des Krieges neue Perspektiven der Betrachtung. Der Blick auf das Leben erweitert sich und es zeigen sich dem Akteur neue Denk- und Handlungsmuster zur Gestaltung des Zusammenlebens in Dörfern, Städten und Gemeinden.

 

Für die Welt und das Leben auf der Erde bedeutet die Befriedung des Innenlebens im Einzelnen eine Befriedung im Außen. Oft scheuen wir uns vor der bitteren Erkenntnis wie viel Krieg wir in Kauf nehmen, wenn wir einkaufen gehen. So scheinbar normal in Friedenszeiten. Wenn wir in vollem Kontakt zu unserer ursprünglich von Mutter Natur in uns angelegten Fähigkeit zu zwischenmenschlicher Anteilnahme und Verbundenheit mit der ganzen Welt wären, so mache Gewohnheit würden wir nicht mehr in uns wohnen lassen.

 

Die Kriegsenkel-Akademie will einen Beitrag zum Frieden in uns selbst und damit in der Welt leisten.

 

Nur Mut auf dieser Reise!

 

Gegenwind gehört zum Fahrerlebnis.

 

Carsten Schubert